BLEIBENDE WERTE · DEBÜTALBUM

Was bleibt.
Die großen Kirchenlieder, neu erzählt.

Zehn Lieder aus fünf Jahrhunderten – Luther, Gerhardt, Neander, Claudius, Bonhoeffer –, nicht mit neuem Beat unter alten Melodien, sondern mit den alten Gedanken in Bildern von heute. Die Melodien sind neu. Die Wahrheiten sind alt.

Albumcover: Was bleibt, Vol. 1 – Die großen Kirchenlieder, neu erzählt
Was bleibt, Vol. 1 – erscheint auf allen Streaming-Plattformen

Warum diese Lieder, warum jetzt

Diese Lieder sind zwischen 1529 und 1944 entstanden. Sie haben Kriege, Pest, Gefängnis und mindestens fünf musikalische Epochen überlebt. Das allein wäre Grund genug, sie zu singen.

Aber ihre Sprache ist alt geworden. „Adelers Fittiche“, „Weh und Ach“, „Luftgespinste“ – wer heute in eine Kirche geht, versteht diese Worte, aber sie treffen nicht mehr. Wer keine Kirche betritt, hört sie gar nicht mehr.

„Was bleibt“ versucht das Gegenteil von einem Remix: nicht die alten Melodien mit neuem Beat, sondern die alten Gedanken mit neuen Bildern. Was Luther mit „Burg“ meinte, was Gerhardt mit „Wolken, Luft und Winden“, was Bonhoeffer mit „guten Mächten“ – das steht hier in Sätzen, die man morgen im Bus denken könnte.

Die Melodien sind neu. Die Wahrheiten sind alt. Das ist, was bleibt.

Die zehn Lieder

Antippen für Gedanken zum Lied und den vollständigen Text

1 Großer Gottnach „Großer Gott, wir loben dich“ — Ignaz Franz, 1771 · nach dem Te Deum, 4. Jh.

Das Te Deum ist einer der ältesten Lobgesänge der Christenheit; Franz brachte es 1771 in deutsche Strophen. Sein Bild: Die ganze Erde neigt sich und staunt. Heute ist die Erde laut, voller Screens und Stimmen – und über allem hängt trotzdem ein Licht, das da war, bevor es uns gab. Das Lied behält Franz' Kernsatz „Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit" fast wörtlich, denn dieser Satz braucht keine Übersetzung. Neu ist nur der Ort, von dem aus er gesungen wird: nicht die Kathedrale, sondern die Stadt, in der man kurz die Augen schließt.

Oh-oh-oh, wir loben dich,
oh-oh-oh, wir loben dich.

Die Stadt ist laut, der Tag ist schnell,
zu viele Stimmen, zu wenig Zeit.
Und über allem hängt ein Licht,
das war schon da, bevor's uns gibt.

Und wenn wir kurz die Augen schließen,
wird alles still – und dann singen wir:

Großer Gott – wir loben dich,
mit allem, was wir sind.
Großer Gott – wir loben dich,
weil du bleibst, wenn alles rennt.
Wie du warst vor aller Zeit,
so bleibst du – heut und in Ewigkeit.

Oh-oh-oh, wir loben dich,
oh-oh-oh, wir loben dich.

Wir schrein Gerechtigkeit ins Netz
und kriegen sie nicht aus uns selbst.
Du hörst den Riss in jedem Ton
und singst uns trotzdem wieder heim.

Und wenn wir kurz die Hände öffnen,
liegt da mehr – und dann singen wir:

Großer Gott – wir loben dich,
mit allem, was wir sind.
Großer Gott – wir loben dich,
weil du bleibst, wenn alles rennt.
Wie du warst vor aller Zeit,
so bleibst du – heut und in Ewigkeit.

Oh-oh-oh, wir loben dich,
oh-oh-oh, wir loben dich.

Herr, erbarm dich – (erbarm dich)
mach uns leicht – (mach uns leicht)
Auf dich hoffen wir allein –
lass uns nicht verloren sein.
Herr, erbarm dich – (erbarm dich)
mach uns leicht – (mach uns leicht)
Auf dich hoffen wir allein –
lass uns nicht verloren sein!

Großer Gott – wir loben dich,
mit allem, was wir sind.
Großer Gott – wir loben dich,
weil du bleibst, wenn alles rennt.
Wie du warst vor aller Zeit,
so bleibst du – heut und in Ewigkeit.

Oh-oh-oh, wir loben dich,
oh-oh-oh, wir loben dich.
Oh-oh-oh, wir loben dich.

2 Feste Burgnach „Ein feste Burg ist unser Gott“ — Martin Luther, 1529

Luthers Lied ist ein Kampflied, und sein Feind hat Hörner. Der heutige Feind hat neue Namen: Angst, Druck, Lärm, „nicht genug". Er kennt uns gut – aber Gott kennt ihn besser. Was bleibt, ist Luthers berühmtester Satz: „Mit unsrer Macht ist nichts getan." Und seine Antwort auf die Frage, wer denn dann kämpft: „Jesus Christ – und kein anderer." Die letzte Strophe, in der man Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib nehmen darf, heißt heute: Nehmt mir den Job, den Plan, das Aufgebaute. Ein Wort bleibt stehen. Das reicht.

Die Nachrichten schrein, die Welt steht schief,
und jeder sagt: „Halt dich fest."
Doch ich halt mich schon zu lange fest
an Dingen, die nicht halten.

Der alte Feind hat neue Namen –
Angst, Druck, Lärm, „nicht genug".
Er kennt mich gut. Doch du kennst ihn besser.

Du bist die Burg, die nicht fällt,
du bist die Mauer in meinem Rücken.
Wenn alles wankt, steh ich hier,
weil du stehst – feste Burg.
Oh-oh-oh, du stehst.
Oh-oh-oh, feste Burg.

Mit meiner Kraft ist nichts getan,
ich hab's versucht, ich weiß es jetzt.
Doch einer kämpft, wo ich nicht kann,
und der hat schon gewonnen.

Fragst du, wer das ist? Ich sag den Namen:
Jesus – kein anderer.
Und dieses Feld bleibt seins.

Du bist die Burg, die nicht fällt,
du bist die Mauer in meinem Rücken.
Wenn alles wankt, steh ich hier,
weil du stehst – feste Burg.
Oh-oh-oh, du stehst.
Oh-oh-oh, feste Burg.

Nehmt mir den Job, nehmt mir den Plan,
nehmt mir, was ich mir aufgebaut hab –
ein Wort bleibt stehn, ein Wort bleibt stehn,
und das reicht mir, das reicht mir.

Du bist die Burg, die nicht fällt,
du bist die Mauer in meinem Rücken.
Wenn alles wankt, steh ich hier,
weil du stehst – feste Burg.
Oh-oh-oh, du stehst.
Oh-oh-oh, feste Burg.

Oh-oh-oh, feste Burg.
Oh-oh-oh, feste Burg.

3 Lobe den Herrennach „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ — Joachim Neander, 1680

Neander war 30, als er starb, und hinterließ dieses Lied voller Bewegung: „Kommet zu Hauf, Psalter und Harfe, wacht auf." Sein Gott trägt auf Adlerflügeln, erhält „wie es dir selber gefällt" und hat den Menschen „künstlich und fein" bereitet. Die neue Fassung beginnt an einem Sonntagmorgen mit Handy aus und Fenster auf – und der Entdeckung, dass alles um uns schon singt, nur wir noch nicht. „Kommet zu Hauf" gilt jetzt vom Kirchenraum bis zum Küchentisch.

Handy aus, Fenster auf,
der Morgen kommt umsonst.
Ich hab nichts dafür getan,
und er ist trotzdem schön.

Wenn ich still bin, hör ich's:
Alles hier singt schon – nur ich noch nicht.

Lobe den Herrn, meine Seele, komm, wach auf,
alles in mir, lobe den Namen.
Er trägt mich auf Flügeln, hoch und weit,
und hält mich so, wie's mir gut tut.
Oh, lobe den Herrn – oh, lobe den Herrn.

Du hast mich gemacht, fein und mit Absicht,
kein Zufall in meinem Gesicht.
Du hast mich gesund aus dem Winter geholt
und die Tage gezählt, die ich hab.

Wenn ich zähl, was du gabst,
komm ich nie ans Ende – also sing ich.

Lobe den Herrn, meine Seele, komm, wach auf,
alles in mir, lobe den Namen.
Er trägt mich auf Flügeln, hoch und weit,
und hält mich so, wie's mir gut tut.
Oh, lobe den Herrn – oh, lobe den Herrn.

Kommt zusammen, kommt zuhauf,
Küchentisch und Kirchenraum,
was ihr habt, bringt es mit –
alles Licht, das in uns ist,
kommt von ihm, kommt von ihm.

Lobe den Herrn, meine Seele, komm, wach auf,
alles in mir, lobe den Namen.
Er trägt mich auf Flügeln, hoch und weit,
und hält mich so, wie's mir gut tut.
Oh, lobe den Herrn – oh, lobe den Herrn.
Oh, lobe den Herrn – Amen, lobe den Herrn.

Oh, lobe den Herrn.

4 Er findet einen Wegnach „Befiehl du deine Wege“ — Paul Gerhardt, 1653 · nach Psalm 37,5

Gerhardts Trostlied enthält einen der schönsten Sätze des Gesangbuchs: Der, der Wolken, Luft und Winden „gibt Wege, Lauf und Bahn", wird auch Wege finden, „da dein Fuß gehen kann". Das ist heute ein Lied gegen das nächtliche Grübeln: die zehnmal durchgeplante Route, die zerfällt; die Sorgen, die noch nie eine Tür geöffnet haben. Gerhardts Rat – „Man halte nur ein wenig stille", „Sing, bet und geh auf Gottes Wegen" – ist unverändert gültig. Wer da oben Wolken sortiert, findet auch für mich einen Weg.

Ich hab die Route zehnmal durchgeplant
und jedes Mal ist sie zerfallen.
Ich lieg wach und rechne Wege nach,
die ich noch gar nicht gehen muss.

Und irgendwer sortiert da oben Wolken,
gibt dem Wind Richtung und dem Regen Ziel –

Er findet einen Weg, wo ich keinen seh,
er findet einen Weg für mich.
Gib ihm, was du planst, gib ihm, was dich quält,
gib's aus der Hand – er findet einen Weg.

Mit Grübeln nachts hab ich noch nichts bewegt,
mit Sorgen nie 'ne Tür geöffnet.
Was ich ihm sagen will, das darf ich sagen,
und dann darf ich schlafen gehen.

Er hat mehr Mittel, als ich Ängste hab,
mehr Wege, als ich Karten kenn –

Er findet einen Weg, wo ich keinen seh,
er findet einen Weg für mich.
Gib ihm, was du planst, gib ihm, was dich quält,
gib's aus der Hand – er findet einen Weg.

Hoff, du müde Seele, hoff,
und bleib nicht in der Nacht.
Was jetzt schwer ist, ist nicht das Ende –
und das Ende hat er in der Hand.
Mach ein Ende, Herr, mach ein Ende,
mit allem, was uns hier noch hält.

Er findet einen Weg, wo ich keinen seh,
er findet einen Weg für mich.
Gib ihm, was du planst, gib ihm, was dich quält,
gib's aus der Hand – er findet einen Weg.
Gib's aus der Hand – er findet einen Weg.

Er findet einen Weg.

5 Geh aus, mein Herznach „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ — Paul Gerhardt, 1653

Fünfzehn Strophen Sommer: Lerche, Täublein, Nachtigall, Glucke, Storch, Bienlein, Weizen. Gerhardt schrieb das mitten im Elend nach dem Dreißigjährigen Krieg – und zwang sich, hinauszugehen und die Freude zu suchen. Die neue Fassung steigt aufs Fahrrad. Die Bienen haben kein Meeting, die Lerche keinen Plan, und niemand hat für all das bezahlt. Gerhardts große Wendung in der Mitte bleibt das Herzstück: Wenn es hier schon so schön ist – wie wird es dann erst dort sein? Und seine Bitte am Ende: Lass mich ein guter Baum sein, mit Schatten für alle, die vorbeikommen.

Fahrrad raus, Kopf nach oben,
der Himmel hat sich rausgeputzt.
Die Bäume tragen wieder alles,
was der Winter ihnen nahm.

Und irgendwo ein Vogel, der nie fragt,
ob's sich lohnt zu singen –

Geh aus, mein Herz, und such die Freude,
sie liegt draußen auf dem Weg.
Sieh, wie alles wächst und blüht –
und niemand hat dafür gezahlt.
Mmh-mmh, geh aus, mein Herz.
Mmh-mmh, geh aus, mein Herz.

Die Bienen haben kein Meeting,
die Lerche keinen Plan.
Der Weizen steht und weiß nicht mal,
wie satt er einmal macht.

Und ich, ich kann heut nicht still sitzen,
wenn alles um mich singt –

Geh aus, mein Herz, und such die Freude,
sie liegt draußen auf dem Weg.
Sieh, wie alles wächst und blüht –
und niemand hat dafür gezahlt.
Mmh-mmh, geh aus, mein Herz.
Mmh-mmh, geh aus, mein Herz.

Wenn's schon hier so schön ist,
auf dieser kleinen, müden Erde –
wie wird es dann erst dort sein,
wo du selbst der Sommer bist?

Mach in mir Platz für deinen Geist,
lass mich ein guter Baum sein,
mit Wurzeln tief und Schatten weit
für alle, die vorbeikommen.

Geh aus, mein Herz, und such die Freude,
sie liegt draußen auf dem Weg.
Sieh, wie alles wächst und blüht –
und niemand hat dafür gezahlt.
Mmh-mmh, geh aus, mein Herz.
Mmh-mmh, geh aus, mein Herz.

Mmh-mmh, geh aus, mein Herz.

6 Ich bleib hiernach „O Haupt voll Blut und Wunden“ — Paul Gerhardt, 1656 · nach „Salve caput cruentatum", 13. Jh.

Das ernste Zentrum des Albums. Gerhardts Passionslied verlangt, hinzusehen, obwohl es wehtut – und dann zu begreifen: „Was du, Herr, erduldet, ist alles meine Last." Der Hook der neuen Fassung ist seine berühmte Zeile „Ich will hier bei dir stehen", verkürzt auf drei Worte: Ich bleib hier. Wenn alle gehen, geh ich nicht. Und dann Gerhardts eigene Wendung, die kaum moderner werden kann: „Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir." Im letzten Refrain kehrt sich der Satz um. Aus „Ich bleib bei dir" wird „Du bleibst bei mir."

Ich seh dir ins Gesicht und will wegsehen,
so sieht doch niemand aus, der König ist.
Kein Licht, kein Glanz, nur das, was übrig bleibt,
wenn alle Wut der Welt auf einen fällt.

Und dann versteh ich, wessen Last das war:
Es war meine. Es war meine.

Ich bleib hier, ich bleib hier bei dir,
wenn alle gehn, dann geh ich nicht.
Ich bleib hier, ich bleib hier bei dir,
und wenn du gehst, dann nimm mich mit.
Ich bleib hier.

Du hättest jederzeit aufstehen können,
du hast's nicht getan – für mich.
Was du getragen hast, hätt ich verdient,
du hast es einfach hingenommen.

Und jetzt steh ich da, mit leeren Händen,
und alles, was ich hab, ist: hier zu sein.

Ich bleib hier, ich bleib hier bei dir,
wenn alle gehn, dann geh ich nicht.
Ich bleib hier, ich bleib hier bei dir,
und wenn du gehst, dann nimm mich mit.
Ich bleib hier.

Erkenn mich, wenn ich komme,
du kennst doch mein Gesicht.
Und wenn ich einmal gehen muss,
dann geh du nicht von mir.
Dann geh du nicht von mir.

Du bleibst hier, du bleibst hier bei mir,
wenn alle gehn, dann gehst du nicht.
Du bleibst hier, du bleibst hier bei mir,
und wenn ich geh, dann nimmst du mich mit.
Du bleibst hier.

Du bleibst hier.

7 Dankenach „Nun danket alle Gott“ — Martin Rinckart, 1636

Rinckart war Pfarrer in Eilenburg, als Pest und Krieg die Stadt leerten; er begrub in einem Jahr tausende Menschen. Und schrieb: Nun danket alle Gott. Das ist kein Dank, weil alles gut ist, sondern obwohl. Die neue Fassung beginnt mit einem Jahr, das nicht das war, was man wollte – und einem Tisch, der trotzdem nicht leer ist. Rinckarts drei Bewegungen bleiben: Dank „mit Herzen, Mund und Händen", die Bitte um „ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden", das Lob des Gottes, der von Anfang an dabei war. Das einfachste Wort der Sprache trägt den Refrain: Danke.

Das Jahr war nicht das, was ich wollte,
ich hab mehr verloren als geplant.
Und trotzdem sitz ich hier am Tisch,
und der Tisch ist nicht leer.

Von Anfang an, seit ich denken kann,
hast du mir mehr gegeben, als ich sehen kann.

Danke – mit dem Herz, mit dem Mund, mit den Händen,
danke – für die großen Dinge, die du tust.
Für jeden Tag, den ich nicht verdient hab,
für jede Nacht, die vorbeiging.
Danke, danke, danke.

Ich will ein fröhliches Herz –
nicht naiv, nicht blind, sondern frei.
Und Frieden, der bleibt, wenn's laut wird,
und deine Hand, wenn ich fall.

Ich weiß nicht, was das nächste Jahr bringt,
aber ich weiß, wer es mit mir geht.

Danke – mit dem Herz, mit dem Mund, mit den Händen,
danke – für die großen Dinge, die du tust.
Für jeden Tag, den ich nicht verdient hab,
für jede Nacht, die vorbeiging.
Danke, danke, danke.

Vater, Sohn und Geist –
so war's, so ist's, so bleibt's.
Der Anfang, das Jetzt, das Ende:
in deinen Händen.

Danke – mit dem Herz, mit dem Mund, mit den Händen,
danke – für die großen Dinge, die du tust.
Für jeden Tag, den ich nicht verdient hab,
für jede Nacht, die vorbeiging.
Danke, danke, danke.
Danke, danke, danke.

Danke.

8 Nicht auf Sandnach „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ — Georg Neumark, 1641

Neumark war 20, als er auf der Reise ausgeraubt wurde und alles verlor. Wochen später fand er eine Stelle als Hauslehrer – und schrieb noch am selben Tag dieses Lied. Sein Kernsatz ist heute Sprichwort: „Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut." Die neue Fassung erzählt von einem Fundament aus Terminen, das eine einzige Welle wegreißt – und von Neumarks Gegenrezept: „Was helfen uns die schweren Sorgen?" Halt ein wenig still. Tu das Deine treu. Er hat noch niemanden vergessen, der sich an ihm festgehalten hat.

Ich hab gebaut, ich hab geplant,
ich hab mein Fundament aus Terminen gegossen.
Und dann kam eine Welle, eine einzige,
und alles, was ich hatte, war weg.

Was hilft mir Sorgen, was hilft mein Weh und Ach?
Es macht die Nacht nur länger und den Morgen nicht heller.

Wer dir vertraut, hat nicht auf Sand gebaut,
wer dir vertraut, steht, wenn es regnet.
Ich halt ein wenig still, ich lass mich halten,
ich bau nicht mehr auf Sand.

Ich muss nicht wissen, wie es weitergeht,
ich muss nur heute meinen Teil machen.
Singen, beten, einen Schritt,
und du machst aus dem Schritt den Weg.

Und wenn ich ruhig bin, wirklich ruhig,
dann hör ich, dass du längst am Bauen bist.

Wer dir vertraut, hat nicht auf Sand gebaut,
wer dir vertraut, steht, wenn es regnet.
Ich halt ein wenig still, ich lass mich halten,
ich bau nicht mehr auf Sand.

Du hast noch niemanden vergessen,
der sich an dir festgehalten hat.
Du hast noch niemanden vergessen –
und du fängst nicht bei mir damit an.

Wer dir vertraut, hat nicht auf Sand gebaut,
wer dir vertraut, steht, wenn es regnet.
Ich halt ein wenig still, ich lass mich halten,
ich bau nicht mehr auf Sand.
Ich bau nicht mehr auf Sand.

Nicht auf Sand.

9 Halb und doch ganznach „Der Mond ist aufgegangen“ — Matthias Claudius, 1779

Das bekannteste deutsche Abendlied lebt von einem Bild: Der Mond ist nur halb zu sehen „und ist doch rund und schön" – so wie manche Dinge, die wir belächeln, weil unsere Augen sie nicht sehen. Das ist Claudius' Glaubensaussage in einem Naturbild, und sie trägt den neuen Refrain: Du bist da, auch wenn ich nur die Hälfte sehe. Der Mond hängt heute über einem Parkhaus, die „Luftgespinste" sind Pläne aus „bald". Und die berühmte letzte Strophe mit dem kranken Nachbarn bleibt, weil sie nicht besser geht: Lass uns ruhig schlafen – und alle, die heute nicht schlafen können, auch.

Halb und doch ganz, halb und doch ganz.

Der Mond hängt über dem Parkhaus,
die Straße wird endlich leer.
Die letzten Fenster gehen aus,
und der Nebel kommt vom Fluss her.

Und ich seh ihn nur zur Hälfte,
und trotzdem weiß ich: Er ist ganz.

Halb und doch ganz, halb und doch ganz –
so vieles, das ich nicht sehen kann.
Du bist da, auch wenn ich's nicht seh,
halb und doch ganz.

Wir bauen tagsüber Türme
aus Plänen, aus Luft, aus „bald".
Und abends merken wir leise,
wie wenig wir wirklich wissen.

Lass mich auf nichts vertrauen, was vergeht –
und einfach schlafen, weil du wachst.

Halb und doch ganz, halb und doch ganz –
so vieles, das ich nicht sehen kann.
Du bist da, auch wenn ich's nicht seh,
halb und doch ganz.

Verschon uns heute Nacht,
lass uns in Ruhe schlafen –
und die, die nicht schlafen können,
und die im Krankenhaus,
und den Nachbarn nebenan
auch.

Halb und doch ganz, halb und doch ganz –
so vieles, das ich nicht sehen kann.
Du bist da, auch wenn ich's nicht seh,
halb und doch ganz.
Du bist da – halb und doch ganz.

Halb und doch ganz.

10 Wunderbar geborgennach „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ — Dietrich Bonhoeffer, Dezember 1944

Geschrieben in der Zelle, wenige Monate vor seiner Hinrichtung, als Neujahrsgruß an Verlobte und Familie. Bonhoeffer wusste, was kam – und schrieb trotzdem von guten Mächten, von Kerzen, die warm und hell flammen sollen, vom „vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet". Die neue Fassung lässt seinen Refrain fast unverändert, weil „wunderbar geborgen" und „an jedem neuen Tag" längst jedem gehören. Die Strophen holen seine Bilder ins Heute: leere Stühle am Tisch, Kerzen trotzdem anzünden, das Schwere nehmen, weil man weiß, aus wessen Hand. Das Finale des Albums – und sein Bekenntnis: Geborgenheit nicht als Wohlfühlwort, sondern trotz allem.

Jahr fast rum – und ich weiß nicht, was kommt.
Altes im Kopf, das nicht loslässt.
Leere Stühle, voller Tisch,
und ich zünd die Kerzen an. Trotzdem.

Da ist was, das hält mich – treu und still,
war schon immer da, seit ich denken kann –

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
was auch kommt, ich warte nicht allein.
Du bist da am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Ooh-ooh, wunderbar geborgen.
Ooh-ooh, an jedem neuen Tag.

Gibst du mir das Schwere – gut, ich nehm's,
ich weiß ja, aus wessen Hand.
Gibst du mir noch mal Freude – dann bin ich da,
laut, und ganz vorn.

Da ist was, das hält mich – treu und still,
und es bleibt auch da, wenn's dunkel wird –

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
was auch kommt, ich warte nicht allein.
Du bist da am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Ooh-ooh, wunderbar geborgen.
Ooh-ooh, an jedem neuen Tag.

Und wenn's ganz still wird, dann hör ich ihn:
diesen Klang, den man nicht sieht,
von allen, die schon vor mir gingen,
und allen, die noch kommen –
sie singen dasselbe Lied.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
was auch kommt, ich warte nicht allein.
Du bist da am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Ooh-ooh, wunderbar geborgen.
Ooh-ooh, an jedem neuen Tag.
Ooh-ooh, wunderbar geborgen.

An jedem neuen Tag.

Jetzt vormerken

Wer das Album vormerkt, hat es am Erscheinungstag automatisch in seiner Bibliothek – bei Spotify, Apple Music, Amazon Music, Deezer und den anderen Diensten. Kein Newsletter, keine Kosten.

Auf der Vormerk-Seite wählst du deinen Dienst aus; der Rest passiert von selbst.

Album vormerken